Das Eigenmaterial zur Kantate BWV112 zeigt eindrücklich die Arbeitsweise von Nikolaus Harnoncourt. Die Partitur der alten Bach-Ausgabe (B.W. XXIV liegt dem Konvolut in Kopie bei und ist am Beginn der Notenmappe zu finden. Diese Partitur dürtte die Studiengrundlage dargestellt haben und dem Ergänzen der Stimmen. Die Wissenschaft hat mit weiterführender Forschung zu zeigen, wie weit der Notentext der Partitur mit dem Notentext des von NH selbst erstellten Orchesterstimmenmaterials übereinstimmt, wo evtl. Ergänzungen vorgenommen wurden und woher diese stammen. Ein Erklärungsversuch wäre, daß Breitkopf&Härtel-Editionen der späten siebziger-Jahre gerade erst im Entstehen waren und daher auch die "damals modernen" und gut erschlossenen Ausgaben noch nicht vorlagen. In diesem Fall zeigt sich die Pionierleistung von NH, den Quellen nachzugehen und eine möglichst originalgetreue, entstaubte und frische Editionen zum Eigengebrauch zu erstellen. Innere Unzufriedenheit mit damals vorhandenem Orchestermaterial, dessen Adaption auf eventuell mangelnde Verfügbarkeit besseren Materials schließen läßt kann als ein Motivationsfaktor für die beispielhafte Beschäftigung mit den Quellen vermutet werden.